Dusch-WC – Förderung durch die Krankenkasse

Spannring Dusch-WC Düse

Wenn die Muskeln schwächer und einfache Bewegungen immer schwieriger werden, kann selbst der Toilettengang eine Herausforderung darstellen.

Ist die erste Hürde, Platz auf dem WC zu nehmen, erst einmal geschafft, wartet schon gleich die nächste: die Reinigung des Intim- und Analbereiches.

Für Personen, die in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sind, stellt dieser Vorgang eine Barriere dar. Sie können vielleicht ihren Oberkörper nicht eindrehen oder die Hand hinter den Körper führen, kurzum: Sie können die Reinigung nicht selbstständig durchführen und empfinden den WC-Besuch als einen Moment der Abhängigkeit.


Inhaltsverzeichnis:


Selbstständigkeit durch Dusch-WC

Ein Dusch-WC ermöglicht Selbstständigkeit beim Toilettengang. Die Reinigung erfolgt durch einen sanften Wasserstrahl, den der Nutzer ganz einfach per Knopfdruck oder sensorisch betätigt. In vielen Fällen trocknet ein Warmluftföhn den benässten Bereich schonend. So kann der Nutzer die Säuberung bequem von der modernen Technik erledigen lassen – er selbst hat keinen großen Bewegungsaufwand.

Spannring Dusch-WC Aquamano

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Ausgewiesenes Hilfsmittel

Auch der gemeinsame Bundesausschuss der gesetzlichen Krankenkassen ist vom Dusch-WC überzeugt und hat daher 13 Dusch-WC-Aufsätze als Hilfsmittel gelistet.

Indikator für die Inanspruchnahme eines solchen Hilfsmittels sind: „Krankheiten oder Behinderungen mit erheblichen funktionellen Defiziten der oberen Extremitäten, die der Ohnhändigkeit gleichkommen mit der Folge, dass die selbständige Reinigung des Intim- und Analbereiches nach der Toilettennutzung auf herkömmliche Weise nicht möglich ist“ (Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes).

Der Weg zum Dusch-WC

Für wen ein Dusch-WC als Hilfsmittel infrage kommt, sollte sich zunächst mit seinem Hausarzt zusammensetzen und diesem von seinen Beschwerden berichten. Oft haben Ärzte einen Tipp, welches Exemplar sich für einen selbst gut eignet.

Daher ist es ratsam, wenn Patient und Arzt gemeinsam ein geeignetes Modell auswählen. Im Falle der ärztlichen Zustimmung erhält der Patient eine Verordnung, auf dem das Produkt inklusive Artikelnummer und Hilfsmittelnummer vermerkt ist.

Mit diesen Angaben kann der Patient einen Sanitär- oder Hilfsmittelanbieter kontaktieren, um einen Kostenvoranschlag anzufordern. Gemeinsam mit der Verordnung und einen Antrag auf Kostenübernahme ist der Kostenvoranschlag bei der Krankenkasse einzureichen. Erst wenn der Patient eine positive Rückmeldung von der Kasse erhält, sollte er das Dusch-WC kaufen.

Zum Schluss muss nur noch die originale Rechnung, der Zahlungsnachweis sowie ein Antrag auf Kostenrückerstattung bei der Krankenkasse eingereicht werden.

Nicht jede Kasse zahlt

Aber Vorsicht: Obwohl Krankenkassen dazu verpflichtet sind, die Kosten eines Dusch-WCs bei Bedarf zu tragen, verweigern Einzelne diese Leistung strikt.

Der Online-Ratgeber www.dusch-wc-washlet.de hat zehn große gesetzliche Krankenkassen in Deutschland kontaktiert und nachgehakt, inwiefern diese die Kosten übernehmen. Das überraschende Ergebnis: Zwei der zehn Krankenkassen gaben an, das Dusch-WC beziehungsweise den Aufsatz nicht zu fördern. Acht und damit die deutliche Mehrheit schließt eine Finanzierung allerdings nicht per se aus!

Die meisten gesetzlichen Krankenkassen prüfen die Förderung im Einzelfall. Die Wahrscheinlichkeit einen im Vergleich günstigen Dusch-WC-Aufsatz als Hilfsmittel zu erhalten sei dabei höher als die Finanzierung des Komplett-Modells.

Was genau die einzelnen Krankenkassen zum Thema Dusch-WC sagen, können Interessierte, ebenso wie allgemeine Hinweise zur Förderung durch die Krankenversicherung sowie grundlegende Informationen über das Washlet, beim Online-Ratgeber nachlesen: http://dusch-wc-washlet.de.


Funktionen des Dusch-WCs

TOTO Dusch-WC-Aufsatz

TOTO Dusch-WC-Aufsatz

Die Wasser-Reinigung ist nicht nur etwas für Personen mit eingeschränktem Bewegungsapparat, sondern für Jedermann: Das sanfte Wasser säubert den Po gründlich und wohltuend. Der Duschstrahl lässt sich individuell positionieren und das Wasser kann je nach Vorliebe temperiert werden.

Auch die Intensität des Duschstrahls können Washlet-Nutzer individuell wählen. So ist zum Beispiel eine zarte Säuberung ebenso möglich wie die feste Massage. Mehr über die Funktionen der einzelnen Dusch-WC-Modelle erfahren Interessierte bei den jeweiligen Herstellern, zum Beispiel auf http://www.dusch-wc.com/produkte/funktionendusch-wc/.

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Fördert die Gesundheit

Neben dem Wellness-Aspekt birgt das Washlet einen weiteren Vorteil: Die Reinigung mit Wasser kann Juckreiz an den intimen Stellen ersparen. Der Duschstrahl säubert die Zone gründlicher als Toilettenpaper, denn das Wasser entfernt Schmutzrückstände besser aus den feinen Fältchen.

Recht, wer denkt, dass feuchtes Toilettenpapier auch eine Lösung sei. Das feuchte Tuch sorgt für eine weiche, rückstandslose Reinigung, doch enthält dieses oft Konservierungsstoffe und Duftstoffe. Es ist ungeeignet für Allergiker, setzt eine funktionierende Motorik voraus und verhindert nicht den Kontakt mit Bakterien – anders als das Dusch-WC.

Insgesamt ist reines Wasser schonender zur Haut als Toilettenpapier, egal ob trocken oder feucht. Der Duschstrahl unterstützt Heilungsprozesse, mögliche Ekzeme heilen besser ab. Zudem begünstigt die Wasserreinigung die Linderung eines Hämorrhoiden-Leidens [1].

Hoher Montageaufwand

Ein Haken am Dusch-WC ist der hohe Anschaffungspreis ab ca. 900 Euro sowie der Montageaufwand. Die Installation eines kompletten Dusch-WCs sollte ausschließlich ein Fachmann übernehmen, denn es müssen zusätzliche Strom- und Wasserleitungen verlegt werden.

Die Alternative zur Komplett-Lösung stellt der Dusch-WC-Aufsatz dar, der im Wesentlichen dieselben Funktionen wie das Komplett-Modell bietet und ab 100 Euro zu haben ist.

AquaClean 4000 von Geberit: Wir haben einen neuen Toilettensitz, das Dusch-WC den Aquaclean 4000 von Geberit. Hier stell ich ihn kurz vor.

Mit etwas handwerklichem Geschick kann jeder Hobbyhandwerker den Aufsatz ähnlich der herkömmlichen WC-Brille auf das WC-Becken montieren. Und wie schon angesprochen, hat der gemeinsame Bundesausschuss der gesetzlichen Krankenkassen bisher ausschließlich Aufsätze als Hilfsmittel gelistet und ihnen eine entsprechende Hilfsmittelnummer zugeordnet.

WC-Aufsatz mit Hilfsmittelnummer

Der Vorteil der Hilfsmittelnummer ist, dass die gesetzliche Krankenversicherung die ärztliche Verordnung eines solchen Produktes nicht ablehnen kann. Zwar ist grundsätzlich nur eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse möglich, wenn das entsprechende Produkt im Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist, doch kann der Arzt mit überzeugender Begründung auch ein anderes Produkt verschreiben.

Somit wird auch die Kostenübernahme eines kompletten Dusch-WCs möglich – zumindest anteilig. Eine Übersicht der gelisteten WC-Aufsätze mit Waschfunktion finden Interessierte auf den Seiten des GKV-Spitzenverbandes: https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/produktlisteZurArt_input.action?paramArtId=2046.

Dusch-WC vs. Bidet

Alle, die ein Bidet zu Hause haben oder gerne in südeuropäische Länder verreisen, kennen den Luxus einer Wasserreinigung durch das Bidet. Doch schließt die Reinigung im Bidet die Verwendung der Hand mit ein, sodass Personen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit nicht von diesem Produkt profitieren. Auch hinsichtlich der Hygiene punktet das Dusch-WC. Durch den zielgerichteten Duschstrahl und die Trocknung durch einen Warmluftföhn bleibt die Hand frei von Bakterien.

Ein weiterer Vorteil des Dusch-WC ist, dass die Wasserreinigung an Ort und Stelle der Toilettenbenutzung passiert. Die Nutzer können entspannt sitzen bleiben. Das Bidet ist eine Art niedrig angebrachtes Waschbecken, das neben der Toilette steht. Benutzer müssen also einen Schritt zur Seite treten und sich über das Bidet hocken – neben dem Komfort-Aspekt ist auch hier die Frage, ob eine kranke oder in ihrer Bewegung beeinträchtigte Person das so einfach schafft.


Schweizer Erfindung

Übrigens, wenn die Rede von einer „japanischen Toilette“ ist, wird damit das Dusch-WC gemeint. Dabei ist diese Toilette eine europäische Erfindung – genauer gesagt hat ein Schweizer das Washlet vor knapp 60 Jahren erfunden.

Die Japaner haben das Dusch-WC kopiert. Doch anders als hierzulande wurde das Hightech-WC im fernen Osten ein Verkaufsschlager. Rund 80 Prozent der japanischen Haushalte verfügen über das WC.

In Europa können die Hersteller von solchen Absatzzahlen bloß träumen. Der Hersteller Geberit sieht einen Marktanteil des Dusch-WCs in Europa von 20 bis 30 Prozent mittelfristig als realistisch an [2]. Mit seiner Dusch-WC-Reihe „aquaclean“ ist der Sanitärriese bisher mäßig erfolgreich.

Aber die Konkurrenz schläft nicht: So hat Duravit mit der Reihe „sensowash“ mehrere Modelle auf dem Markt und Grohe sorgt mit dem Dusch-WC „sensia“ für steigenden Absatz. Trotz aller Bemühungen der Hersteller; die Entwicklung läuft eher schleppend voran.

Wir sind zu sehr an Toilettenpapier gewöhnt, obwohl das ja nicht so schön sanft reinigt wie Wasser. In unserem Kulturkreis sind wir eher gehemmt über die Intimhygiene zu sprechen und neue Techniken in diesem Bereich auszuprobieren. Zeit, dass sich was ändert.


[1] Magnier, Mark (1999): Japan Is Flush With Obsession. Los Angelos Times. http://archive.is/4OmT#selection-33.0-33.8 (abgerufen am 15.03.2016)

[2] Dusch-WC: Wohlfühlen in der Tabu-Zone. http://www.haus-und-wohnen.ch/de/bauen_umbauen/architektur_trends/bad_wellness/entries/111114_geberit-dusch-wc.php (abgerufen am 15.03.2016)

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  • Artikel erstellt:
  • 5. April 2016